
Bayerisch-tschechisches Sommercamp: Mit der Zeitmaschine über die Grenze
Im August verbrachten Dritt- und Viertklässler aus der bayerisch-tschechischen Grenzregion eine Ferienwoche gemeinsam im tschechischen Železná Ruda. Mit dabei waren die Grundschule Runding, die Grundschule Gefrees und die Grund- und Mittelschule Kirchenlamitz sowie neun tschechische Grundschulen. Beim Sommercamp des Sprachanimationsprojekts „Ahoj-Hallo“ reisten die Kinder jeden Tag in eine andere historische Epoche, spielten im Team und erkundeten gemeinsam die Geschichte der Grenzregion. Ganz nebenbei lernten sie die Sprache und Kultur ihrer Nachbarn kennen.
Das Herzstück der Woche war die selbstgebaute Zeitmaschine. Sie brachte die Kinder jeden Tag in eine andere Zeit. Besonders eindrücklich war die Reise in die Ära des Eisernen Vorhangs. Diese Epoche erlebten die Kinder am Grenzbahnhof in Bayerisch Eisenstein, dessen Gebäude jahrzehntelang durch eine geschlossene Grenze geteilt war. Wo einst Mauer und Stacheldraht standen, liefen nun Kinder aus beiden Ländern gemeinsam über den Bahnsteig.
Mirka Veselá, Koordinatorin des Sommercamps „Ahoj-Hallo“, zieht ein klares Fazit: „Für manche Kinder war es der allererste Kontakt mit einer Fremdsprache, mit Gleichaltrigen aus einem anderen Land oder sogar der erste Besuch im Ausland. Dennoch verhielten sie sich ganz natürlich und dank der gemeinsamen Aktivitäten schwand die anfängliche Scheu, bis es schließlich wie jedes andere Ferienlager wirkte.“
Zum Gelingen trägt vor allem auch die Sprachanimation bei. Diese spielerische Methode motiviert Kinder, eine Fremdsprache zu sprechen und nimmt ihnen die Angst vor Fehlern. Sprachanimateurinnen und -animateure erklären keine Grammatik, sondern schaffen Situationen, in denen die Kinder die Nachbarsprache brauchen, um weiterzukommen. Gerade bei Grundschulkindern funktioniert das besonders gut. Bis zur Pubertät prägen sie sich neue Wörter schnell ein und fürchten sich weniger vor Fehlern. Wer in diesem Alter positive Erfahrungen mit Tschechisch oder Deutsch macht, entscheidet sicher später eher für einen Sprachkurs, einen Schüleraustausch oder eine Ausbildung im Nachbarland. In einer Grenzregion, in der Menschen täglich zum Arbeiten oder Einkaufen die Grenze überqueren, zahlt sich das aus.
Das Bayerisch-Tschechische Sprachanimations- und Bildungsprojekt „Ahoj-Hallo“ weckt Begeisterung für das Nachbarland bereits bei den Jüngsten. In Kindergärten, Kitas und Grundschulen lernen bayerische und tschechische Kinder spielerisch die jeweils andere Sprache und Kultur kennen. Für die Einrichtungen ist das Angebot kostenlos. Die Finanzierung des Projekts erfolgt aus EU-Mitteln im Rahmen des Programms INTERREG Bayern-Tschechien 2021-2027. Die Stiftung Jugendaustausch Bayern unterstützt zudem das Projekt von Tandem - Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch und den bayerisch-tschechischen Euregios.

