Eva Rademaker und Isabel Emmerling in Mexiko-Stadt
„Für mich war es ein großes Geschenk, die Schüler begleiten zu dürfen“
Isabel Emmerling und Eva Rademaker
Mexiko
Lehrkräfte an der FOSBOS Friedberg

Spanischlehrerin Eva Rademaker und Gesundheitswissenschaftenlehrerin Isabel Emmerling begleiteten den Mexikoaustausch ihrer Schülerinnen und Schüler der 13. Jahrgangsstufe mit Wahlpflichtfach Spanisch. Im Interview erzählen sie, welche Herausforderungen die Jugendlichen dabei meisterten, was die Partnerschule auszeichnete und was ihnen am besten gefiel.

Wie entstand der Austausch mit Mexiko?

Rademaker: Unsere Kollegin Regina Häußler brachte den Austausch an unsere FOSBOS mit. Er war an ihrer vorherigen Schule unter dem ehemaligen Schulleiter entstanden. Da dieser in den Ruhestand gegangen war, hatte sie Sorge, dass der Austausch eingestellt wird. Also überzeugte sie unsere Direktorin davon, das Projekt in Friedberg fortzuführen. Gemeinsam mit ihrer mexikanischen Kollegin Maria del Carmen Rodrigue übernahm sie die Organisation.

Was motivierte Sie, den Austausch zu begleiten?

Emmerling: Ich verbrachte während meines Studiums ein Auslandssemester in Mexiko-Stadt. Daher habe ich eine große Affinität zu Mexiko. Als mich die Kolleginnen fragten, ob ich Lust hätte, den Schüleraustausch als Betreuungslehrkraft zu begleiten, sagte ich sofort ja.

Rademaker: Die spanische Sprache hat in meinem Leben einen sehr hohen Stellenwert. Ich war schon oft privat in Lateinamerika unterwegs, darunter auch zweimal in Mexiko. Für mich war es ein großes Geschenk, die Schüler dorthin begleiten zu dürfen. Durch den Austausch lernte ich eine Region kennen, in die Touristen nicht fahren, und kam ganz anders mit den Einheimischen in Kontakt.

„Durch den Austausch lernte ich eine Region kennen, in die Touristen nicht fahren, und kam ganz anders mit den Einheimischen in Kontakt.“

Wie sah Ihr Programm vor Ort aus?

Emmerling: Die ersten vier Tage verbrachten wir in Mexiko-Stadt, wo wir in einem Hotel untergebracht waren. Wir besuchten verschiedene Museen und Kulturstätten in der Umgebung. Der Verkehr dort ist der Wahnsinn, deswegen nahmen schon die Fahrten immer sehr viel Zeit in Anspruch. Aus dem Bus sahen wir unterschiedliche Landschaften und  Viertel, die in keinem Reiseführer stehen.

Rademaker: Anschließend flogen wir nach Navojoa im Nordwesten des Landes. Dort wohnten wir bei Gastfamilien. Vormittags waren die Schüler in der Schule und wir hospitierten im Unterricht. Die Nachmittage und Wochenenden verbrachten die Jugendlichen mit ihren Gastschülern oder in Kleingruppen. Wir trafen uns abends öfter mit den mexikanischen Lehrkräften. Zudem gab es ein umfangreiches Programm für unsere Gruppe: Wir besichtigten Sehenswürdigkeiten, nahmen an Festlichkeiten teil und besuchten den Bürgermeister.

Wo lagen die größten Unterschiede zwischen Ihrer Schule und der mexikanischen Schule?

Rademaker: Der Hauptunterschied war, dass die Kinder diese Privatschule in Navojoa vom Kindergarten bis zum Abitur besuchen! Auf unsere Fachoberschule kommen Schüler dagegen erst ab der 11. Klasse. Deswegen gab es eine viel stärkere Identifikation mit der Schule und einen ganz anderen gemeinschaftlichen Zusammenhalt. Das merkten wir bereits bei der Willkommensfeier: Jeder war darin involviert. Unseren Teilnehmenden gefiel das familiäre Gefühl an der Schule sehr.

Warum war es Ihnen wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler in Gastfamilien untergebracht sind?

Emmerling: Es ist einfach die beste Möglichkeit, die Kultur und das Land kennenzulernen und Spanisch zu sprechen. Viele Gasteltern in der Region können nur wenig Englisch, deswegen blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihre Spanischkenntnisse zu nutzen. Das war für die Schüler am Anfang anstrengend, aber auch eine sehr gute Übung.

Rademaker: Die Kombination aus beiden Unterbringungsarten war ideal: In Mexiko-Stadt waren wir zuerst ein paar Tage unter uns, bevor es in die Familien ging. Beim Leben in den Gastfamilien gab es für die Schülerinnen und Schüler auch den ein oder anderen Kulturschock. Doch am Ende waren sich alle einig, dass sie sehr von den Erfahrungen dort profitierten.

„Beim Leben in den Gastfamilien gab es für die Schülerinnen und Schüler auch den ein oder anderen Kulturschock."

Welche kulturellen Unterschiede stellten die Schüler fest?

Emmerling: Das Mobilitätsverhalten unterschied sich stark. In der Wüstenregion Navojoa ist es auch im November sehr heiß. Deswegen verwenden die Mexikaner auch für kurze Strecken immer das klimatisierte Auto. Fünfminütige Autofahrten sind normal. Das war für uns ungewohnt. In Deutschland ist es ja üblich, in diesen Fällen zu laufen oder das Rad zu nehmen.

Rademaker: Viele überraschte ebenfalls die sehr spontane Art der Menschen dort. Wenn uns jemand sagt, wir machen heute dies oder jenes, verlassen wir Deutschen uns darauf. Mexikaner entscheiden sich jedoch auch gerne mal kurzfristig um. Das war für manche Schüler schwierig.

Wo lagen weitere Herausforderungen?

Rademaker: Schwierig war der Schlafmangel durch den Flug nach Navojoa, der unheimlich früh am Morgen ging. Als wir ankamen, waren die Schüler vollkommen übermüdet und mussten direkt Spanisch sprechen. Abends gab es dann eine große Party zum „Día de los Muertos“ in der Schule. Die konnten die Schüler gar nicht richtig genießen.

Emmerling: Auch das mexikanische Essen, das sehr üppig und fleischlastig ist, war für manche erstmal schwer zu verdauen. Zudem mussten sie sich an das Leben in der Gastfamilie mit anderen Gepflogenheiten gewöhnen.

„Die Menschen waren alle so unkompliziert, offen und freundlich! Davon sollten wir uns eine Scheibe abschneiden.“

Was war Ihr persönliches Highlight während des Austauschs?

Rademaker: Die Menschen. Sie waren alle so unkompliziert, offen und freundlich! Davon sollten wir uns eine Scheibe abschneiden. Ein Lehrer lud zum Beispiel spontan alle Begleitpersonen zu sich nach Hause ein und wir saßen zu zehnt in seiner Küche. Und plötzlich kam noch jemand dazu, weil er auch gerne mal die deutsche Gruppe kennenlernen wollte. Diese Herzlichkeit gefiel mir sehr.

Emmerling: Die Offenheit und Hilfsbereitschaft beeindruckten mich ebenfalls am meisten. Der Abschied am Flughafen war sehr rührend. Das sagt viel aus über die Verbindung, die in diesen zehn Tagen entstand.