Austausch für alle: Neue Fachstelle für Internationale Jugendarbeit in Nürnberg startet
Internationale Begegnungen bereichern das Leben, doch nicht alle Jugendliche erhalten die Chance, sie zu erleben. Die neue Fachstelle für Internationale Jugendarbeit in Nürnberg will das ändern. Benjamin Dippold koordiniert im Jugendamt die internationalen Aktivitäten von über 30 Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Zentrales Ziel: vor allem Jugendliche ohne Zugang zu Austauschprogrammen für Auslandserfahrungen begeistern. Die Stiftung Jugendaustausch Bayern kofinanziert das zweijährige Modellprojekt mit 140.000 Euro.
Zugang unabhängig von Schule und Elternhaus
Für viele junge Menschen hängt die Möglichkeit, an einem Austausch oder einer Auslandserfahrung teilzunehmen, stark vom Angebot ihrer Schule oder den Unterstützungsmöglichkeiten im Elternhaus ab. „In den Jugendtreffs, Kinder- und Jugendhäuser, durch Mobile Angebote sowie Streetwork erreichen wir junge Menschen, die oft keine Möglichkeit für internationalen Austausch haben. Ihre Schulen bieten meist keine Programme an, die Familien können es sich nicht leisten oder es fehlt die nötige Unterstützung. Das wollen wir ändern und Auslandserfahrungen für alle zugänglich machen“, erklärt Benjamin Dippold. Wer vor Ort die Kultur und den Alltag anderer Länder erlebe, baue Vorurteile ab, gewinne neue Perspektiven und knüpfe im besten Fall Freundschaften über Grenzen hinweg, so der Sozialpädagoge.
Aufbau auf bewährter Grundlage
Nürnberg profitiert bereits von Expertise und internationaler Vernetzung: Die Abteilung Internationales, Protokoll und Veranstaltungen im Bürgermeisteramt, Städtepartnerschaften und globale Netzwerke bilden eine solide Basis. Bereits in der Vergangenheit führten zehn Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Austauschprojekte in europäischen Partnerstädten durch. „Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie positiv sich internationaler Austausch auf Jugendliche auswirkt. Mit der Fachstelle bauen wir das nun systematisch aus“, sagt Jürgen Reuther, Abteilungsleiter Kinder- und Jugendarbeit im Jugendamt Nürnberg, der die Einrichtung seit 2021 begleitet.
Zentrale Anlaufstelle mit klaren Aufgaben
Die Hauptaufgaben der Fachstelle liegen in der Beratung und Koordination. Sie plant internationale Projekte, begleitet die Einrichtungen von der Vor- bis zur Nachbereitung und qualifiziert Fachkräfte für die Anforderungen internationaler Jugendarbeit. Zudem wirbt sie weitere Fördermittel ein – vor allem EU-Gelder – und übernimmt Antragsstellung und Abrechnung. So sollen 60 Prozent der Fachkräfte in der Nürnberger Jugendarbeit während der zweijährigen Projektlaufzeit mit internationalen Austauschprogrammen in Kontakt kommen und Jugendlichen neue Möglichkeiten eröffnen.
Neue Partnerschaften mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft
Ebenso sollen Unternehmen als Partner gewonnen werden. „Bei begrenzten öffentlichen Mitteln sind neue Partnerschaften entscheidend. Die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft bietet große Chancen“, betont Judith Fesser, Programmreferentin der Stiftung Jugendaustausch Bayern. Die Stiftung setzt vor allem auf Kooperationen und Netzwerke, um jedem jungen Menschen in Bayern einen internationalen Austausch zu ermöglichen.
Als nächsten Schritt planen Stiftung und Fachstelle einen Modellbeirat, in dem auch Vertreter der Nürnberger Zivilgesellschaft und Wirtschaft neue Perspektiven einbringen. Dadurch sollen auch ganz neue Akteurinnen und Akteure die Relevanz von Jugendaustausch für sich entdecken. So können z. B. Unternehmen ihre Attraktivität als Ausbildungsbetriebe durch internationale Angebote für ihre Azubis steigern. Der Wert des internationalen Jugendaustauschs für alle Jugendlichen soll so in Nürnberg sichtbarer und relevanter und als Thema für die gesamte Stadtgesellschaft wahrgenommen werden.
Vorbild für andere Städte und Kommunen
Das Nürnberger Modellprojekt soll Impulse für ganz Bayern setzen. Durch die Bündelung von Ressourcen und neuen Finanzierungsmöglichkeiten entsteht ein Konzept, das andere Städte und Kommunen zur Entwicklung eigener Internationalisierungsstrategien anregen kann.