Eine Woche in einer französischen Gastfamilie leben, die Sanddüne Dune du Pilat erklimmen und dabei die eigene Komfortzone verlassen: Das erlebten Lasse, Benno, Noah und Seraphina (auf dem Foto mit ihrer Lehrerin Magdalena Stemplinger) während ihres Schüleraustauschs in Bordeaux. Warum die vier Jugendlichen der Realschule am Fränkischen Dünenweg in Röthenbach diese Chance nutzten, wie sie Sprachbarrieren und kulinarische Überraschungen meisterten und welches Selbstvertrauen sie aus dieser Woche mitnahmen, erzählen sie hier.
Was hat euch gereizt, am Schüleraustausch teilzunehmen?
Seraphina: Die Chance, Erinnerungen fürs Leben zu sammeln und neue Freundschaften zu schließen.
Lasse: Mir war es wichtig, neue Kontakte zu knüpfen und in einem anderen Land selbstständiger zu werden. Ich hatte bereits einen französischen Austauschpartner aufgenommen und wollte unbedingt die Gelegenheit nutzen, selbst nach Frankreich zu fahren.
Wie war das erste Aufeinandertreffen mit euren Partnerschülern?
Benno: Bei unserer Ankunft am Bahnhof in Bordeaux begrüßten sie uns mit Willkommensplakaten. Das war ein toller Start.
Seraphina: Am Anfang verstanden wir nicht alles, weil ihr Französisch ganz anders klang. Wir haben es also abwechselnd auf Französisch und Deutsch versucht oder auf Englisch, wenn es gar nicht ging. Das funktionierte gut.
Wie war das Leben in der Gastfamilie für euch?
Noah: Die erste Herausforderung gab es am ersten Abend: Wir waren schon ziemlich voll, weil wir auf der Hinreise im Zug viele Süßigkeiten gegessen hatten. Doch zum Abendessen servierte die Gastfamilie ein dreigängiges Menü: erst Linsensuppe, danach Nudeln mit Lachs und schließlich noch eine Nachspeise. Ich war bereits nach den Nudeln pappsatt, wusste aber nicht, wie ich das höflich sagen sollte. Also aß ich die Nachspeise auch noch und fiel danach mit vollem Bauch ins Bett.
Benno: Das Essen war manchmal ungewohnt. Ich probierte etwa zum ersten Mal Austern, was nicht so meins war. Doch die meisten Gerichte waren wirklich lecker, mein Gastvater kochte hervorragend. Mit der Zeit bin ich mit meiner Gastfamilie richtig zusammengewachsen. Am Ende war es sehr herzlich.
Lasse: Faszinierend fand ich, dass man nach nur einer Woche schon viel voneinander wusste. Wir wussten, wo alles steht, und lebten uns richtig ein. Es war fast schade, schon nach einer Woche wieder abreisen zu müssen.
„Dieses Gemeinschaftsgefühl war großartig.“
Was waren eure Highlights?
Lasse: Das ganze Erlebnis war bereichernd. Mir war an keinem Tag langweilig, weil immer etwas los war. Besonders beeindruckend war die Dune du Pilat, eine riesige Sanddüne. Dort oben haben wir ein Picknick gemacht und Spiele gespielt. Wir besichtigten auch ein Schloss mit einem wunderschönen Garten, in dem Pflanzen aus aller Welt wachsen. Viele Austauschpartner waren miteinander befreundet, sodass wir uns auch in der Freizeit trafen. Dieses Gemeinschaftsgefühl war großartig.
Seraphina: Die Gemeinschaft hat sofort funktioniert. Jeder hat mit jedem geredet und sich gut verstanden.
Habt ihr euch durch den Austausch verändert?
Benno: Am Anfang war ich aufgeregt und wenig motiviert. Aber in der Woche gewann ich viel Selbstvertrauen. Ich habe jetzt keine Angst mehr, ohne Eltern zu verreisen. Kürzlich war ich allein auf einer Sprachreise in England.
Seraphina: Mich hat überrascht, wie gut man auch außerhalb der gewohnten Umgebung zurechtkommt. Anfangs wirkt es schwierig, aber man findet schnell Anschluss.
Lasse: Ich bin offener geworden, auf fremde Menschen zuzugehen. Wir waren zum Beispiel bei einer Stadt-Rallye in der Innenstadt unterwegs und mussten Passanten ansprechen. Das war anfangs ungewohnt, aber man wächst an der Erfahrung.
„Alltagsmomente in einem anderen Land mitzuerleben, ist unbezahlbar.“
Wie haben sich eure Sprachkenntnisse entwickelt?
Lasse: Ich habe einen deutlichen Fortschritt bemerkt. Wenn man den ganzen Tag mit Muttersprachlern spricht, bekommt man so viel Input. Davon bleibt zwangsläufig etwas hängen. Alle Menschen waren sehr offen und zeigten uns viel. Als zum Beispiel der Besitzer einer Bäckerei hörte, dass ich aus Deutschland komme, gab er mir spontan eine Führung. Er erklärte mir, wie der Ofen funktioniert und was die Symbole bedeuten.
Seraphina: Alltagsmomente in einem anderen Land mitzuerleben, ist unbezahlbar. Wir haben zum Beispiel Uno auf Französisch gespielt. Solche Situationen helfen enorm beim Sprachenlernen.
Was ratet ihr anderen, die an einem Schüleraustausch teilnehmen wollen?
Seraphina: Macht euch vorher nicht zu viele Gedanken. Bleibt ruhig und steigert euch nicht in Sorgen hinein, was alles schiefgehen könnte. Man kann kaum etwas falsch machen. Es ist manchmal herausfordernd, aber der erste Schritt lohnt sich.
Lasse: Habt keine Angst. Eine gewisse Vorbereitung ist sinnvoll. Wir haben im Zug noch ein paar Phrasen gelernt, um uns am ersten Tag verständigen zu können. Aber übertreibt es nicht. Geht offen auf die Erfahrung zu und nehmt sie, wie sie kommt.
Benno: Es ist ein wertvolles Erlebnis. Aber man muss nicht alles essen. Probieren ist gut, aber nach den Austern und einem Ziegenkäse ging es mir nicht so gut. Man darf auch höflich „Nein“ sagen.