Unsere Schwerpunktzielgruppen
Wer nimmt an Schüler- und Jugendaustauschen teil – und wer nicht?
Jugendaustausch ist potenziell für alle Jugendlichen geeignet. Doch nur ein geringer Teil nimmt die Angebote tatsächlich wahr.
Die Zugangsstudie von Forschung und Praxis im Dialog – Internationale Jugendarbeit (FPD) ermittelte dazu im Jahr 2019 folgende Zahlen:
- 63 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland interessieren sich für Austauschprogramme.
- Doch nur 26 Prozent aller jungen Menschen nehmen an internationalen Austauschprogrammen teil. Das ist nur jeder Vierte.
- Die meisten Teilnehmenden gehen auf ein Gymnasium (50 Prozent). Schüler von Mittelschulen sind dagegen nur mit 5 Prozent vertreten. Für einen Gymnasiasten ist es also zehnmal wahrscheinlicher an einem Jugendaustausch teilzunehmen als für einen Mittelschüler.
- Im Programmjahr 2022/23 gingen von den Teilnehmenden an Schüleraustauschen 81,2 Prozent vor ihrer Abreise auf ein Gymnasium.
- Lediglich 6,2 Prozent stammten bundesweit von Mittel- oder Realschulen.
Es hat sich also in den letzten Jahren nicht viel verändert. Auslandsaufenthalte sind weiterhin häufig bestimmten Gruppen vorbehalten. Hier sehen wir großes Verbesserungspotential. Denn internationale Begegnungen sollten allen jungen Menschen offenstehen, unabhängig von ihrer schulischen Herkunft oder ihrem familiären Hintergrund.
Was hindert Jugendliche daran, ins Ausland zu gehen?
Die Gründe, aus denen Jugendliche nicht in Ausland gehen, sind vielfältig:
- Falsche Vorstellungen über Schüler- und Jugendaustausch: Viele Jugendliche nehmen an, dass ein Auslandsaufenthalt nur für einen längere Zeitraum möglich ist und immer gute Sprachkenntnisse sowie Einser-Noten voraussetzt.
- Gefühlte Exklusivität: Von bestehenden Angeboten fühlen sich Schüler von Mittel-, Real- und Beruflichen Schulen oftmals nicht angesprochen. Das Vorurteil, dass Schüler ihrer Schularten nicht mitgedacht seien, besteht auch häufig bei den Lehrkräften.
- Finanzielle Gründe und mangelnde Informationen über Fördermöglichkeiten: Viele Familien können keinen Auslandsaufenthalt für ihre Kinder bezahlen. Informationen zu Fördermöglichkeiten kommen oftmals nicht an.
- Zu wenig Informationen an Schulen: Schulen wären ein geeigneter Ort, um viele junge Menschen über internationalen Angeboten aufzuklären. Bislang ist das System Schule jedoch damit überfordert, die vielen verschiedenen Informationen flächendeckend an die Schülerinnen und Schüler heranzutragen.
Unser Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit
Wir setzen uns aktiv dafür ein, dass internationale Begegnungen für alle Jugendlichen in Bayern zugänglich werden. Unsere Lösungsansätze:
- Wir widerlegen bestehende Mythen: Durch zielgruppenorientierte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit räumen wir mit falschen Vorstellungen zum Thema Jugend- und Schüleraustausch auf. In Interviews auf unserer Website erzählen Lehrkräfte und Fachkräfte der Jugendarbeit von ihren Best-Practice-Beispielen.
- Wir informieren zielgruppengerecht: Wir fassen Angebote, Förderprogramme und Beratungsstellen verschiedener Anbieter in unserem Infoportal „Wie ins Ausland?“ übersichtlich zusammen. Damit setzen wir Jugendliche und Eltern direkt ins Bild und erleichtern die Informationsweitergabe für Lehrkräfte und Fachkräfte der Jugendarbeit.
- Wir entwickeln und fördern passgenaue Formate: Unsere Förderprogramme und geförderten Projekte sprechen verschiedene Schulformen von Mittel- über Real- bis zu Beruflichen Schulen an. Ein Teil davon richtet sich ausschließlich an diese Zielgruppen und ist gezielt auf ihre Bedürfnisse und Lebensrealitäten zugeschnitten.
- Wir vernetzen übergreifend: Wir ermöglichen neue schulische und außerschulische Angebote, in dem wir unterschiedliche Akteure zusammenbringen. Dazu gehören unter anderem Schulen, Jugendzentren, Vereine, Kommunen und Unternehmen.